Allgäu Sixties
Dass wir im Dschungel der Großstadt uns bewegen können, untertauchen, überraschend auftauchen, dass hier Möglichkeiten des Andersseins vorhanden sind, wissen wir. Auf dem Dorf oder in der Kleinstadt wird es etwas schwieriger. Die soziale Kontrolle hat uns da mehr im Griff. Trotzdem, mit noch mehr power versuchen es die Jungen auch hier und zwar oft recht erfolgreich.
Peter M. Roese hat das am Beispiel das Städtchen Kaufbeuren im wunderschönen Allgäu beschrieben. Was tat sich dort in den 60er Jahren? Da gab es eine Gruppe junger Leute, Schüler, Lehrlinge usw., die zum Teil gegen Eltern, Lehrer und Lehrherren aufmuckten, denn nicht nur unter des Talaren der Münchner Uni-Professoren war der Mief von Tausend Jahren. Und die Alten schüttelten verwundert die Köpfe und erwarteten den Weltuntergang.
Dann waren da noch ein paar junge Soldaten vom Fliegerhorst, hoch über der Stadt, mit dabei. Sie alles schlossen sich lose zusammen. Ach ja, sogar eine Band gab es da, die Caddy Group. Eine Band ... der Traum aller jungen Leute – vor allem der Mädels! Da hatten sie doch tatsächlich ihre eigenen Stones oder Beatles zum Anfassen nahe. Zu dieser munteren Schar stieß der Protagonist Rossner, ein Soldat vom Fliegerhorst. Er kutschierte die Jungs der Caddy Group mit seinem Hippie-Bus, samt Equipment, von Auftritt zu Auftritt. Rossners Hippie-Bus war übrigens einer der ersten seiner Art in der Bundesrepublik.
Ein ganzes Kapitel und mehr spielt in München, mit Studentenklamauk („sit-in”, „teach-in”, „sleep-in”), Kultkneipen in Schwabing, Beat-Schuppen und so weiter ...
„Allgäu Sixties” von Peter M. Roese (infoverlag, 14,80 Euronen) ist eine Story mit viel Musik und allerlei Unsinn, gespickt mit gesellschaftskritischen Anmerkungen, die sich so oder ähnlich seinerzeit an vielen Orten der Bundesrepublik zugetragen hat.
Gigi de Schnatterer